eigentlich: das-leben-ist-schön-grins.log.ag.
Ich werde hier Texte recyceln die ich in Briefen an Freundinnen geschrieben habe. Dazu gibts ab und zu Cartoons die ich vor ca. 10 Jahren mal gezeichnet habe.
Die Texte, Zeichnungen – der gesamte Inhalt dieses Blogs – dürfen nicht anderweitig genutzt und verwendet werden.
Zugriffe seit dem 17.12.04
Inzwischen sind mir die Texte schon lange ausgegangen. Tipp ich halt exklusiv für das Weblog. Viel Spaß! *grins*
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Dank an meine Lektorinnen: Frau-Rot-Weiß-Erfurt und ohneworte.log.ag
Dieser Blog bleibt wegen Umzug bis auf weiteres geschlossen. Neue Adresse: unternormalnull.blogspot.com.
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Verfasst am 09.03.2010 23:05:16 Uhr :-(

Verfasst am 07.03.2010 16:39:11 Uhr Sag zum Abschied leise ... »Ich bin jetzt da! Mach hinne mein Schunge! Ich komme nicht erst hoch! Beeile dich! Wir sind spät dran! Wir haben ...«
… noch Zeit bis Ende März Tantchen. Aber sie hat Recht. Was soll ich hier noch länger herumlungern. Die Tür lasse ich offen — ich knalle sie nicht zu und schließe sie nicht ab. Warum auch? Hier zieht bestimmt niemand mehr ein, und der Vermietling besorgt sich die besenreine Übergabe, via Sintflut oder besser mit »delete directory«, selbst.
»Jetzt mach nicht so ein Gesicht mein Schunge! Freue Dich! Heute wird umgezogen! Oder willst du etwa hier bleiben?«
Wozu? Was soll ich mit einer Wohnung, in der ich ab April nur noch Zettel an die Wand kleben darf? Die noch dazu keiner mehr liest, weil das ganze Haus bald leerstehen wird? Weil nicht mal mehr der Fahrstuhl zuverlässig funktioniert? Geschweige denn, das Flurlicht und der Türöffner? Und nur um meinen Krimskrams hier aufbewahren zu dürfen, drücke ich kein Kapital ab.
»Eben. Du hast doch auch nichts, und dein bißchen Gerümpel bekommen wir auch woanders mietfrei unter. Hast du deinen Kram zusammen? Kann es jetzt endlich mal losgehen?«
Meinen Kram halte ich in der Hand. 5 Jahre im Weblog schmierfinken ergaben lumpige 25 Mb frisch gebrannten Datenschrott. Das dafür einer Miete haben will? Ding an der Waffel!
»Nein, das heißt Gewinnoptimierung! Zumindest denkt sich dein Vermieter das so. Erst ködert er die Leute mit einem kostenlosen Angebot – Service kann man das ja kaum nennen – in der Hoffnung, daß er sich damit eine Fangemeinde schafft, um sie auch als Kunden an sich zu binden. Soweit so gut. Das hat ja zur Zufriedenheit beider Seiten jahrelang gut geklappt. Aber nun fühlt er sich zu Höherem berufen und hofft, daß sich alle an die Annehmlichkeit gewöhnt haben und nicht auf das Liebgewordene verzichten wollen, wenn er jetzt doch dafür Geld haben will. Aber das schickt sich nicht und die Nutzer werden bockig und verzichten großzügig auf dieses Angebot. Vor allem, wenn sie nicht darauf angewiesen sind. Die Nummer hat er doch schon mal durchgezogen in seinem Gemischtwarenladen! Und was ist dabei herausgekommen?«
Eine verschworene Gemeinschaft, die sich auf ihrer speziellen Plattform ohne Worte nicht versteht. Nachrichten versenden kann ja keiner mehr, wenn er nicht gerade dafür löhnt. Aber das hat auch sein Gutes. Früh schaut man entspannt in den Posteingang. Null Post. Gut, da braucht man niemanden antworten und kommt auch nicht in die Verlegenheit, jemanden kennenlernen zu müssen, der Körperflüssigkeit und einen goldenen Ring mit einem tauschen will. Da herrschen inzwischen ruhige und klare Verhältnisse, die nur ab und zu von ein paar sendewütigen Bezahlern gestört wird. Dieses Idyll wird wohl auch hier bald einziehen.
»Kleinvieh macht eben auch Mist. Aber Leben muß er davon nicht. Da sprudeln andere Quellen. Die, die dir deinen Briefkasten mit Reklame zumüllen. Aber die waren es sicher nicht, die ihn bewogen haben, jetzt ins Profilager wechseln zu wollen. Das war sicher seine feindliche Übernahme! Der hat doch geheiratet! Den hat sich doch eine gekauft! Dann war plötzlich das Geld alle.«
Das ist auch so ein Geheimnis der Marktwirtschaft, daß sich mir nicht offenbaren will. Man pumpt Millionen in einen Kiosk, damit der kein Geld mehr hat. Das verstehe wer will.
Tantchen schwafelt herum und mir wird es, wie bei jeden Abschied, melancholisch zumute. Es war hier doch eine schöne Zeit. Ich werde sie vermissen. Die Bude hatte schon etwas. Den Charme des begeisterten Unfertigem auf dem der verhaltene mondäne Schein liegt, der bei Modenschauen auf einer Dorfkirmes zu finden wäre. Es kommt mir vor, als wäre ich ein Teil dieser volkssporttreibenden Fußballmannschaft gewesen, die beim Lampionumzug von der Weltmeisterschaft träumt, aber die auch weiß, daß sie es nicht bis in die vierte Liga schaffen wird. Aber genau das ist ihr eigentlich auch völlig egal. Was allein zählt, ist das verschmitzte Lachen beim Bier danach.
»Egal ist dem das nicht! Dem wird das Lachen vergangen sein, als die was von einer zweiten Platte faselte. Das habe ich von der Gustl! Interna! Aber der Gustl kann man auch nicht alles glauben. Die sieht doch nichts mehr. Egal. Jedenfalls – jetzt wirds technisch, da sehe ich nicht durch – sollte der sich keine Platte machen, aber eine zweite einbauen – in den Sörwer oder Särwer – um Platz zu schaffen, damit die mehr davon vermieten können. Aber das muß ich dir ja nicht erklären, du weißt ja, wo du gewohnt hast und warum wir jetzt umziehen müssen.«
Wegen einer zweiten Festplatte? Gut, möglich ist alles. Bei Tantchen sowieso.
»Was die aber nicht bedacht haben, waren die Anschaffungskosten! Weißt du, was das kostet?«
Mühe. Einmal Flaschen wegschaffen und den Pfand gegen eine Festplatte tauschen.
»Und der Service-Techniker, der das Teil einbaut? Der kostet richtig Geld!«
Klar, der Kasten Bier, den er zum Anklemmen braucht ist nicht billig. Schwachsinn!
»So in etwa. Jedenfalls sind deren Kosten so gestiegen, daß sie jetzt Miete verlangen müssen! Aber das kann uns egal sein, wir ziehen ja um.«
Wohin eigentlich? Tantchen wollte es sich nicht nehmen lassen, mir eine neue Bleibe zu suchen. Aber mir kommt es jetzt so vor, als würden wir immer um den selben Block fahren.
»Das wirst du gleich sehen. Die Tina hat sich darum gekümmert und dir etwas Schickes rausgesucht.«
Aha. War klar. Die Tina also. Da werde ich wohl einen Loft in einem stillgelegten Krematorium bekommen. Na toll.
»Jetzt zieht der wieder ein Gesicht! Geh doch erstmal gucken! Vielleicht sind die Nachbarn ja ganz nett? Es ist Frühling! Bestimmt ist da auch eine ganz Schnucklige dabei. Du hast doch immer noch nichts! Stimmts? Vielleicht wird das ja doch noch mal was bei dir? Man kann ja nie wissen! Jetzt wo du schon so alt bist, wäre es doch schön, wenn sich mal jemand um dich kümmern würde!«
Dreimal umgezogen ist wie einmal hirnverbrannt. Zumindest in der virtuellen Welt. Einmal reicht mir jetzt schon und ich will einfach schnell nach Hause, wo immer das auch sein mag.
»Und wenn es dir dort nicht gefällt, ziehst du einfach wieder um. Was hindert dich daran? Du sagst mir einfach Bescheid und die Tina kümmert sich dann darum. Das macht die sehr gern für dich, und ich hole dich dann wieder ab. Das ist alles kein Problem. Ein Speichernomade zu sein, ist ja nichts verkehrtes. Da kommst du ein bißchen rum, und siehst dies und das und dir wird nicht langweilig. Du hast doch sonst nichts zu tun.«
Das ist definitiv der selbe Block, um den wir hier seit einer Stunde kurven. Oder sehen alle nur gleich aus? Ich weiß nicht …
»Du weißt auch nichts mein Schunge! Aber du hast ja uns oder einen Mund zum fragen! Vielleicht gibt es dort ja auch nette Nachbarn? Wer weiß das schon?«
Mich beschleicht wieder dieses ohnmächtige Gefühl, massiv verarscht zu werden, weil ich der alten Schachtel einfach nicht gewachsen bin.
»Das mußt du nicht haben, mein Schunge!«
Wie wahr! Aber aus der Nummer komme ich nicht wieder raus.
»Das mußt du auch nicht! Guck mal! Wir sind da. Da drüben mußt du rein. Die Tina hat auch schon einen neuen Namen für dich herausgesucht. Der paßt so schön zu dir! Nun aber fix! Und denke immer daran: …«

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